Enttäuschung

Am Samstag sind wir früh aufgestanden, um pünktlich um 8.30 Uhr mit Whisper auf der Hengststation in Bokel zu sein. Leider verlief der Kontrolltermin nicht so positiv wie gehofft – sie ist wieder nicht tragend geworden. Ich kann es nicht anders sagen, der Begriff Enttäuschung trifft es wohl am ehesten. Das hatte ich mir irgendwie anders gedacht. Man hat ja doch schon einigen Aufwand bis hierher betrieben, von Geld und Zeit mal ganz abgesehen. Aber diese Seite gehört eben auch dazu. Vielleicht möchte Whisper doch lieber Reitpferd bleiben? Auf jeden Fall werde ich es im kommenden Frühjahr nochmal versuchen – bis dahin wird dann halt wieder geritten. Sonntag und Montag haben wir schon ganz locker mit Longieren angefangen, die Weideauszeit ist nun offiziell beendet. Und irgendwie schien Whisper auch ganz angetan davon, wieder gearbeitet zu werden. So sieht nun also der Plan B bis zum Frühjahr aus.

Letzte Chance

Nachdem bei der Untersuchung ein „nicht tragend“ herausgekommen war, fragte die Tierärztin vorsichtig an, ob ich nicht für den 3. und letzten Versuch nochmal einen anderen Hengst probieren möchte. Manchmal passt es einfach biologisch nicht, obwohl die Bedingungen gut sind und es hätte klappen sollen. Sie wollte am nächsten Tag nochmal nach Whisper gucken, meinte aber auch schon, die hat sich die letzten beiden Male so viel Zeit gelassen, vor Montag oder eher Dienstag müsste ich mich nicht festlegen.

Mit den „Hausaufgaben“ zu einem alternativen Hengst bin ich dann nach Hause gefahren, nachdem Whisper ihre Box bezogen hatte. Der erste Anruf ging dann an Herrn Boley, weil ich zuvor auch schon mal über mögliche Hengste für Whisper mit ihm gesprochen hatte. Leider war er nicht zu erreichen, so habe ich es dann direkt im Hengststall versucht und wurde schon mal gut von Herrn Muffels beraten. Es machte allerdings bei keinem der Hengst „klick“. Also, Internet an, Videos, Beschreibungen und Bilder gesichtet. 2 der Vorschläge fielen direkt raus, blieb nur noch einer übrig, der mich aber auch nicht so ganz gepackt hat. Schließlich hatte ich mich ja auch im Vorwege lange mit einem möglichen Hengst beschäftigt und mir das ganze Projekt gut überlegt. Der Rückruf von Herrn Boley brachte noch einen weitern Hengst auf meine Liste. Wir wollten uns am nächsten Tag nochmal beraten, dann könnte er seine Leute auch nochmal befragen. Es war ja auch noch etwas Zeit.

Am Sonntag bin ich dann direkt morgens zum Kontrolltermin im Stall gewesen. Etwas überrascht meinte die Tierärztin dann, wir müssten heute direkt besamen, Whisper hätte sich nun doch ziemlich beeilt. Ob ich nicht schnell nach Elmshorn fahren kann, um Samen abzuholen. Gar kein Problem – nur stand der Hengst ja noch gar nicht fest… So habe ich wie vereinbart Herrn Boley angerufen und wir haben uns schnell auf einen Hengst geeinigt, sein Vorschlag vom Vortag hatte mich überzeugt. Noch dazu hatte der Hengst bisher sehr gut tragend gemacht, für den letzten Versucht wollte ich ja auch keine Experimente mehr wagen. Und als ich dann erwähnt habe, dass es auch ziemlich zügig gleich losgehen müsste, bekam ich sogar das tolle Angebot, dass er auf seinem Weg nach Hause eh in meine Richtung fahren würde und den Samen mitbringen könnte. Gesagt – getan. 20 Minuten später trafen wir uns am vereinbarten Treffpunkt, weitere 10 Minuten später war ich schon wieder im Stall. Zur Verwunderung der Tierärztin viel schneller als sie gedacht hatte. Ohne den tollen Extraservice von Herrn Boley wäre das auch gar nicht so schnell gegangen, das hat mich wirklich sehr gefreut! So als hoffentlich angehende „Neuzüchterin“ habe ich mich bestens betreut gefühlt. Auch wenn es nur um eine einzelne Stute ging und nicht wie bei anderen Züchtern um ganze Herden mit tollen Stuten, erfolgreichen Nachkommen und dem entsprechenden Fachwissen dahinter. Daran arbeite ich halt noch. Whisper konnte also noch am Vormittag besamt werden, durfte später noch auf die Weide und der Rest vom Sonntag verlief dann sehr entspannt. Bereits am nächsten Tag kam dann der Anruf, Whisper sei fertig und könne zurück nach Hause. Auch damit hatte so schnell keiner gerechnet. Ich deute das mal als gute Zeichen, dass hoffentlich alles gut gepasst hat. Nun heißt es Daumen drücken und hoffen, dass diese letzte Chance auf ein Fohlen 2018 zum gewünschten Erfolg führt!

Stuteneintragung

Am 15. Mai fand die Stuteneintragung in Elmshorn statt. Glücklicherweise fiel dieser Termin auf meinen ersten Urlaubstag, es war also nichts mit ausschlafen, der Wecker klingelte noch zeitiger als sonst.

Die Pferde haben mich noch etwas verschlafen angesehen, als ich das Licht im Stall angemacht habe, waren aber froh, schon das Frühstück serviert zu bekommen. Bis Whisper mit ihrem Müsli fertig war, habe ich Trense, Kopfnummer und was man sonst spontan morgens so braucht schon mal zusammengesammelt. Dann ging es ans Einflechten und Putzen. Zum Glück hatte Whispi sich nicht zu doll dreckig gemacht, man konnte noch sehen, dass sie am Vortag gewaschen wurde. Geduldig ließ sie alles über sich ergehen und mampfte schon mal etwas Heu.

Mein Freund Markus durfte auch seinen ersten Urlaubstag opfern und mich begleiten, allerdings konnte er etwas länger schlafen. Fast pünktlich rollte sein Auto auf den Hof, schnell noch Hänger dran, aufladen und schon konnten wir starten. Die älteren Stuten waren direkt um 9 Uhr dran, insgesamt waren es auch nur 6 die vorgestellt wurden. Vor Ort haben wir kurz erkundet, wo wir hinkommen müssen und dann ging es direkt ans Abladen. Whisper macht das alles zum Glück immer artig, in Elmshorn war sie auch schon einige male, bekanntes Gelände also für uns beide.

Bevor ich jetzt zur Eintragung selbst komme, noch eine kleine Anekdote am Rande bezüglich der Pferdenamen. Es ist ja oft so, dass Sport- und Zuchtstuten zwei verschiedene Namen haben. Der Zuchtname mit dem Anfangsbuchstaben des jeweiligen Jahrgangs, der Sportname mit dem Anfangsbuchstaben des Vaters. Da es so besonders beim Tierarzt etc. immer wieder zu Verwirrungen kommen kann, habe ich als Sportnamen direkt einen mit „W“ ausgesucht, damit ich diesen später auch als Zuchtnamen verwenden kann. Somit hätten wir das Problem der zwei Namen nicht gehabt. Bei der Anmeldung zur Eintragung stand ich nun aber vor folgendem Problem: Der Sportname „Whisper A’Daire“ war genau eine Stelle zu lang. Das System kann nur eine bestimmte Anzahl an Buchstaben verarbeiten. Es musste also nun doch eine Alternative her… Als ich Whisper damals noch namenlos gekauft habe, standen zwei Namen in der engeren Auswahl, den zweiten hat sie nun als Zuchtstute bekommen. Sie wurde nun als „White Willow“ eingetragen. Übrigens ebenfalls ein Name aus einem Comic. In der Hinsicht bleiben wir dem Thema also treu.

Zurück zur Eintragung – als Pferd Nummer 5 waren wir an der Reihe. Es ging erstmal zum Messen, und Whispi ist nun doch einen Zentimeter größer als ich bisher angenommen hatte: 1,62 m. Trotzdem klein, ich weiß, aber es kommt auf die innere Größe drauf an. Weiter ging es dann in die kleine Halle, im Schritt sollte ich sie eine Runde außen herum führen und danach frei laufen lassen. Schritt kann sie immer ganz toll gehen, da war ich bemüht das auch zu zeigen, sie trabte zwar einmal an, aber sonst war ich ganz zufrieden. Den Trab zeigte sie auch schön, beim Galopp wurde etwas gemurmelt, genau verstehen konnte ich die Richter leider nicht. Dann ging es weiter in die große Halle, auf die Dreiecksbahn. Ich habe mir ein Pferd vorher angesehen, selber gemacht habe ich sowas nämlich noch nie und entsprechend nervös war ich, dass etwas schief laufen könnte. Viel Zeit zum Überlegen blieb aber nicht, es ging direkt weiter mit uns: Pferd aufstellen, im Schritt von den Richtern weg und gerade drauf zu führen und einmal im Trab außen herum (da lief sie so mächtig los, dass ich Mühe hatte Schritt zu halten), danach noch einmal aufstellen, fertig. Das war es also schon. Leider hatte ich in der Hektik vergessen, Markus als Fotografen oder für ein Video zu beauftragen, das mit den Fotos haben wir dann hinterher noch nachgeholt:

 

Der Pass wurde direkt einbehalten, ich hatte also keine Ahnung welche Noten wir bekommen hatten. Bis ich gestern den Pferdepass in der Post hatte:

White Willow wurde ins Zuchtbuch I eingetragen, da sie ja nun nicht das modernste Pferd ist (eher so quadratisch, praktisch gut, wie früher halt – was ich aber sehr leiden mag!) sind die Noten eher Durchschnittlich gewesen. Was mich aber sehr gefreut hat, eine 8 für den Schritt, und jeweils eine 7 für Trab und Galopp. Und diese Noten bewerten ja eben auch nicht alles… für mich ist sie das tollste Pferd überhaupt, weil man sich immer auf sie verlassen kann!

Gemütlich ging es dann zurück nach Hause, wo Whispi sich direkt im Sand wieder schön dreckig gemacht hat. Einen herzlichen Dank nochmal an meinen super Freund Markus – Helfer, Fahrer, Retter in allen Lebenslagen und Lieblings-Möhrchengeber von Whispi! <3

Im Stutenhotel

Anfang Mai wurde es langsam ernst für die Fohlenplanung 2018. Mit der Stationstierärztin hatte ich besprochen mich zu melden, wenn es losgehen sollte. Da Whisper leider Zuhause so rein gar nicht zeigt, wann sie rossig ist, habe ich versucht das rechnerisch zu ermitteln und gehofft, dass so alles passt. Die nächste Hengststation von unserem Stall aus ist die in Bokel, nur 3,9 km entfernt. Leider war dort keine Box mehr frei und die Untersuchungszeiten morgens um 9 Uhr sind mit meinem Job auch nicht wirklich zu vereinen – es musste also eine andere Lösung her. Ich bekam eine Telefonnummer vom Nachbarhof und hatte Glück, eine Box war noch frei. So habe ich am 3. Mai abends einen gemütlichen Ausritt nach Bokel gemacht. Über die Feldwege und überwiegend im gemütlichen Schritt waren wir in 35 Minuten am Ziel. Für den kurzen Weg wollte ich nicht extra verladen und etwas Beine vertreten kann ja auch nicht schaden. Whisper hat also ihre Box im „Stutenhotel“ bezogen und ich wurde per Auto wieder abgeholt.

Am nächsten Tag hat sich gegen Mittag die Tierärztin gemeldet, ich habe die Stute genau zum passenden Zeitpunkt gebracht! Die Rosse sehe schon ganz vielversprechend aus. Am Abend habe ich dann mit Whisper einen kleinen Ausritt gemacht, sie kann zwar tagsüber aufs Paddock aber eben nicht so lange wie sie es gewohnt ist, daher haben wir das direkt angrenzende Reitgelände erkundet. Herrlich! Viele schöne Wege, tolle Möglichkeiten für Trab und Galopp und auch der Wald ist schnell erreichbar. Da wir insegesamt 11 Tage dort waren, gab es viel Zeit das Gelände zu nutzen. Mir kamen die abendlichen Ausflüge immer wie ein Kurzurlaub vor. Dazu waren wir auch ausgiebig grasen, es sollte ihr ja an nichts fehlen.

  

Leider hat sich die Rosse dann doch nicht wie gewünscht weiter entwickelt, es musste gespritzt werden. Es folgten dann auch die ersten Besamungen, Dienstag, Donnerstag und Samstag. Zum Glück konnte ich Samstag dann auch mit dabei sein, immer nur übers Telefon Bericht zu bekommen ist eben anders als alles live zu sehen. Beim Ultraschall am Sonntag war dann zu sehen, dass das gewünschte Ei tatsächlich gesprungen ist. Sie durfte also zurück nach Hause. Bei herrlichem Sonnenschein sind wir ganz gemütlich zurück nach Hause geritten, dort wurde sie schon erwartet und durfte direkt auf die Weide. Für die kommenden 16 Tage war dann Daumen drücken angesagt, bis zum Kontrolltermin auf der Hengststation.

 

Papierkram

Ebenso wie in vielen anderen Bereichen des Lebens kommt man auch in der Pferdezucht nicht um einen gewissen Teil an Papierkram drum herum. Allem voran muss ich nun erst mal in einen Zuchtverband eintreten, bevor ich das Projekt Fohlen 2018 richtig in Gang bringen kann, da der Nachwuchs natürlich auch Papiere erhalten soll. Also habe ich Anfang der Woche meine Beitrittserklärung für den Verband der Züchter des Holsteiner Pferdes abgeschickt. Das bietet sich hier mitten in Schleswig-Holstein einfach an, ich habe Elmshorn direkt vor der Tür und in der Nachbarschaft befinden sich gleich zwei bzw. drei Hengststationen, die ich ohne großen Aufwand erreichen kann. Was will man also mehr? Noch dazu habe ich bisher ganz nette, unverbindliche Beratungsgespräche gehabt, wozu dann noch nach einem weiter entfernten Verband Ausschau halten? Mit dem Tierarzt habe ich ebenfalls schon einen Termin vereinbart, Whisper ist eh mit der jährlichen Zahnkontrolle dran, in dem Zuge wird dann auch gleich eine Tupferprobe genommen. So können wir dann hoffentlich direkt mit der nächsten Rosse loslegen.

Da Whisper bisher nur als Turnierpferd eingetragen ist, folgt Mitte Mai auch noch ihre Eintragung zur Zuchtstute. Dafür ist am 15. Mai ein Termin in Elmshorn vorgesehen, auf die Unterlagen zur Anmeldung warte ich derzeit noch. So langsam wird also alles konkret und wird in die (hoffentlich richtigen) Wege geleitet! Es bleibt also spannend, obwohl noch gar nicht wirklich etwas passiert ist.

Am kommenden Samstag wartet dann übrigens mit einem Termin auf der Hengststation schon der nächste Schritt in Richtung Fohlen darauf, gegangen zu werden.